Reparatur des "PAD" an der Yashica Electro 35"

Dies hier ist im Prinzip die Essenz einer Mail, die ich im Juni 2002 an einen netten Menschen geschickt habe, der bezüglich der Pad-Reparatur um Hilfe bat. Er hat mir versichert, die Kamera daraufhin erfolgreich repariert zu haben.

Trotzdem: Ohne Gewähr!--- Alles, was Sie möglicherweise mit Iher Kamera anstellen, tun Sie auf eigene Gefahr!

[Mick Feuerbacher translated this page into English, revised and illustrated it. You might want to rather have a look at his version.]

The complete repair manual can be found here. Thanks to Afred Bina.

Das "Pad"-Problem äussert sich dadurch, dass beim Weiterschalten kein sattes "clunk" zu hören ist. Ein weiteres Symptom ist merkwürdig inkonsistentes Verhalten des Verschlusses, vor allem bei langen Verschlusszeiten. Das kann z.B. heissen, dass der Verschluss offen bleibt, bis man den Auslöser loslässt (wie "B").

Der/das PAD ist ein Gummipuffer, der zwischen dem primären und sekundären Verschlussmechanismus sitzt. Wenn man die Kamera öffnet, kann man ihn (von vorne gesehen links neben dem Objektiv) gerade so eben über die Kante der Vorderwand lugen sehen. Ihn auszutauschen, OHNE das Objektiv samt Verschluss auszubauen, erfordert leicht übersinnliche Fähigkeiten, jedoch hat man schon davon berichten hören.

Es folgt jetzt eine kurze Reparaturanleitung. Wenn Sie ein Kamera-Reparatur-Crack sind, seinen Sie bitte nicht beleidigt über die Ausführlichkeit. Wenn Sie Fragen haben, schicken Sie mir ein eMail. Ich muss dazu sagen, dass ich jede Verantwortung ablehne, falls irgendwas schiefgeht. Verabschieden Sie sich Vorsichtshalber mental von dem Geld, das Ihre Yashica Electro gekostet hat, dann können Sie nur gewinnen.

Noch was: Es ist eine Weile her, dass ich diese Reparatur durchgeführt habe. Ich habe keine Lust, die nunmehr funktionierende Kamera wieder zu zerlegen und schreibe insofern aus dem Gedächtnis. Sollten Sie meinen, dass irgendwas nicht so ist wie beschrieben - mailen Sie. Vielleicht hilft das meinem Gedächtnis auf die Sprünge ...

Tip: lesen Sie das folgende bis zum Schluss durch, *bevor* Sie anfangen.

0. Allgemeine Hinweise

Alle Teile sortiert wegpacken (ich nehme dazu Filmdosen, in die ich die Teilchen, nach Baugruppen getrennt, einsortiere). Merken, wo die Teile hingehören. Vorsicht. Keine Gewalt. Nicht in einem Raum mit hochflorigem Teppich arbeiten. Am besten ein Geschirrhandtuch auf dem Tisch ausbreiten, um herabfallende Schräubchen zu bremsen. Sicherstellen, dass in den nächsten paar Stunden niemand mit Ihnen kommunizieren möchte ... ;-)

1. - Deckel öffnen:

2. Boden öffnen

3. Ein Moment der Besinnung

Wenn Sie sich die Kamera von vorne angucken, sehen Sie unter der Stelle, wo der Auslöser war, das PAD. Oder Sie sehen es nicht. Wenn es aussieht wie ein Stück schwarzer Kunststoff von 3 mm Dicke und 8-10 mm Kantenlänge, war es nicht das Problem und Sie schrauben die Kamera am besten wieder zusammen. Wahrscheinlich ist das nicht der Fall, also weiter ...

Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten:

4.1 Sie schaffen es, das Pad zu ersetzen, ohne weiter zu demontieren (s.o.). Als Ersatzmaterial eignet sich jeder mittelharte Kunststoff von ca. 3 mm Dicke: Linoleum, Schuhsohle, etc...

4.2 Sie müssen weiter demontieren:

Jetzt sehen Sie den primären und sekundären Verschlusshebel, die über zwei horizontale Platten miteinander verbunden sind. Auf der größeren oberen Platte sollte (von unten) das PAD angeklebt sein, vermutlich befinden sich dort aber nur unansehnliche Plastikreste.

repair manual p.76 repair manual p.77

5. Neues Pad

Entfernen Sie die Plastikreste mit Isopropanol und Feuerzeugbenzin. Kleben Sie das neue PAD mit Pattex an der alten Stelle fest. Warten - pressen - warten.

6. Jetzt kommen wir zur Montage.

Objektivplatte wieder aufstecken. Vorsicht mit der Kupplung des Entfernungsmessers und des Parallaxenausgleichs (rechte Seite). Vorsicht mit bem Kupplungssstift für die Verschlussspannung. Durch diesen Stift ist quer ein weiterer, winziger Stift gesteckt, der in ein entsprechend ausgeformtes Loch im Kamerakörper eingreift und entsprechend verdreht werden muss. Wenn Sie's geschafft haben, schrauben Sie die vier Schrauben wieder rein und versuchen erstmal, ob Aufzug und Verschluss wieder funktionieren.

(Bei mir taten sie das nicht, was aber daran lag, dass der Verschluss klemmte / verdreckt war. Aber das ist eine andere, lange Geschichte.)

Wenn alles funktioniert, montieren Sie Kopf- und Bodenplatte wieder, setzen die Batterie ein und fotografieren glücklich und zufrieden, bis Ihr neues Pad auch den Geist aufgibt (also etwa 30 Jahre lang).

Viel Erfolg!
-- Erik

Hier noch eine Reparaturvariante, die mit ein netter Mensch namens Martin Maczkowski geschickt hat:

Sehr geehrter Herr Fiss,

zunächst einmal möchte ich Ihnen für Ihre sehr ansprechende und interessante Webseite danken. Durch sie entdeckte ich die Vorzüge der 70er-Jahre Messsucherkameras.

Mein eigentliches Anliegen ist jedoch ein anderes und betrifft die Kamera-Reparaturabteilung Ihrer Seite, insbesondere den Artikel über das Ersetzen des Pads an der Yashica.

Selbige Aufgabe hatte ich kürzlich zu meistern, da das Pad meiner Electro 35 GSN nur noch ein krümeliger Überrest seiner selbst war . Da ich von Natur aus ein recht fauler Mensch bin und die Belederung meiner Yashica recht anhänglich und leider auch nicht wirklich reißfest war, wollte ich es tunlichst vermeiden die Objektivkonstruktion ausbauen zu müssen. Ich versuchte also, die Operation nur durch den kleinen Schlitz zu tätigen, der bei abmontierter Gehäusekappe den Blick auf das Pad freigibt.

Zu meiner Verwunderung musste ich feststellen, dass dies garnicht so schwierig war, wie allgemein behauptet und ich mir im Endeffekt jede Menge Arbeit erspart habe.

Dabei ging ich wie folgt vor: Das Pad habe ich mir aus einem Stück Gummi zurechtgeschnitten, dass zur Befestigungsschnalle einer Fahrradlampe gehörte.

Die Kamera legte ich zunächst auf den Rücken, so dass die Chance, sich verkrümelnder Pad-Überreste im Gehäuse um einiges minimiert wurde. Um mir noch mehr Platz zu schaffen, löste ich den Belichtungsmesserblock und zog ihn etwas beiseite. Dazu musste ich lediglich 2 kleine Schrauben an beiden Seiten von dessen Grundplatte entfernen.

Anschließend kratzte ich das Pad nun langsam mit spitzer Pinzette und einer zurechtgebogenen Büroklammer von seiner Metallhalterung. Ich muss zugeben, dass ich auf diese Weise nicht alle Überreste von den Teilen entfernen konnte, jedoch beeinträchtigt das nicht die Funktion. Danach wurde die Kamera wieder aufrecht hingestellt. Nun drückte ich mit einem dünnen Schraubenzieher die Metallplatte herunter, die gegen das neue Pad schlagen soll. Selbiges fädelte ich mit der anderen Hand und mit Hilfe einer Pinzette an seinen korrekten Platz.

Als alles richtig saß brauchte man nur den Drück von der gefederten Metallplatte nehmen und schon presste sie das Pad sicher gegen die andere Metallplatte. Damit es da auch blieb, drückte ich es anschließend mitsamt der Feder nach unten und strich, wieder gleichzeitig mit der anderen Hand, mit einem Zahnstocher einen Tropfen Sekundenkleber auf die Oberseite des Pads. Ich weiß, Sekundenkleber ist wahrscheinlich wg. der ganzen Lösungsmittel nicht die erste Wahl aber ich hatte leider nichts anderes zur Hand. Nun brauchte ich es wieder einfach nur loslassen und die Feder drückte das Pad abermals fest, bis der Kleber getrocknet war. Und das war's dann eigentlich auch schon. Die ganze Aktion hat mich ca. 20 Minuten und weitaus weniger Nerven gekostet als die andere Variante.

Nun denn, dafür habe ich dann aber, weil alles so schön geklappt hat, später beim Befestigen der ASA-Scheibe leider versehentlich dessen Schraube abgerissen. Wohl die Strafe für meinen Übermut :) .

Die Reparatur hat bei mir jedenfalls ziemlich von ihrem Schrecken verloren. Man muss jedoch dazu sagen, dass sie immernoch relativ fitzelig war, man ein wenig Gedult benötigt und es zudem nicht meine erste feinmechanische Arbeit war. Ein bisschen Erfahrung braucht man wahrscheinlich schon. Ich weiß auch nicht inwiefern die anderen Electro 35 Modelle im Detail der GSN ähneln. Vielleicht ist es nicht bei jedem Modell möglich, ohne Demontage der Frontplatte erfolgreich zu sein. Wenn Sie möchten können Sie jedenfalls diesen Text, bzw. dessen Inhalt gerne zu Ihrem Artikel hinzufügen. So kann er anderen, die die Reparatur noch vor sich haben als Ermutigung bzw. Anleitung dienen. Relevante Fotos habe ich aber leider nicht gemacht.

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Last modified September 30, 2016