Kodak Retinette 1b

Objektiv Rodenstock Reomar 45 mm f/2.8, Filtergewinde 30.5 mm.
Verschluss Zentralverschluss Prontor 500 LK mit 1/15 bis 1/500 und B. Selbstauslöser.
Belichtungs­messung Gekuppelter Selen-Belichtungsmesser von Gossen mit match-needle im Sucher.
Fokussierung Meter-/ feet-Skala und Entfernungssymbole. Schärfentiefeskale. Kein Entfernungsmesser. Nahgrenze 1 m.
Sucher Leuchtrahmen und Parallax-Marken, Belichtungs-Anzeige.
Blitz PC-Buchse und Hot shoe.
Film­transport Schnelltransporthebel am Boden der Kamera, Rückspulrad, aufklappbare Rückwand.
Maße ca. 125 / 90 / 60 mm (mit Objektiv)
Batterie ---

[English version]

Diese Kamera hat mein Vater Anfang der 1960er Jahre neu gekauft. Als er sich irgendwann eine SLR-Ausrüstung zulegte, habe ich sie übernommen. Als ich noch nicht mehr Kameras hatte, als ein normaler Mensch sinnvoll benutzen kann, war diese meine mechanische Backup-Kamera, wenn ich der (vermeintlich) empfindlichen Elektronik der X-300 nicht traute, so z.B. beim Segeln oder zuletzt bei meiner Wüstenreise im Oman.

Die Kodak-Kameras wurden damals in Deutschland (Stuttgart) hergestellt, wo Kodak die Firma Nagel aufgekauft hatte. Am bekanntesten sind heute die Retina-Modelle, die es zunächst als Messsucherkamera mit Faltbalgen, dann auch als Spiegelreflex gab, zum Teil mit Wechselobjektiven. Die Retinas haben ihre treue Fangemeinde und geniessen allgemein den Ruf, gute und zuverlässige Kameras zu sein.

Die Retinette ist sozusagen das volkstümliche Modell mit vereinfachten Features und vor allem ohne Entfernungsmesser und Wechselobjektive. Die gebotenen Ausstattungsmerkmale (Prontor-Verschluss, Objektiv 45/2.8, Selenbelichtungsmesser) liegen ziemlich genau im Standard, als "besonders" ist maximal der hot shoe zu bezeichnen, der damals (und noch viele Jahre danach) keineswegs alltäglich war.

All das macht die Kamera zu einem unproblematischen Reisebegleiter. Die Schärfentiefe des Objektivs reicht aus, um auch ohne Entfernungsmesser mit Hilfer der Entfernungssymbole die meisten Aufnahmen scharf zu bekommen (man beachte hierzu das nebenstehende Foto, die Schärfentiefenskala scheint mir allerdings doch etwas optimistisch für ein 45-mm Objektiv), der Belichtungsmesser bewahrt einen zumindest vor groben Fehlbelichtungen (erstaunlicherweise funktioniert er nach 40 Jahren noch immer) und der hot shoe ermöglicht die unproblematische Benutzung eines Blitzgerätes.

Damit fühlte man sich in den 60er Jahren fast jeder Standard-Situation gewachsen (während man dazu heute bekanntlich Matrixmessung, Multi-point-Autofocus und 35 Belichtungsautomatiken braucht. Oder zumindest ein LCD und ein 35-115mm f/4.6-13.8-Zoom an einer Plastik-point-and-shoot-Kamera...) .

Das grosse Plus der Retinette ist für mich ihre präzise und offensichtlich ausgesprochen stabile Konstruktion (schliesslich hat sie all die "Sondereinsätze" locker weggesteckt). Alle mechanischen Teile (und es gibt fast nur mechanische Teile) funktionieren heute, als wären sie neu. Auf die Gefahr hin, dass ihr mich für verrückt haltet: Ich finde, die Kamera macht von allen, die ich habe, die schönsten Geräusche. Sie schnurrt wie ein Schweizer Uhrwerk!

Ein besonderes Detail ist der von der Retina entlehnte Schnelltransporthebel rechts UNTEN an der Kamera. Vor allem, diejenigen, die mit dem linken Auge durch den Sucher schauen, werden sich darüber freuen.

Der Hauptnachteil der Kamera ist natürlich der fehlende Entfernungsmesser. Wenn man das mal als gegeben hinnimmt, weil es ja schliesslich Teil des KONZEPTES ist, muss man leider immer noch konstatieren, dass der Sucher nicht der beste seiner Art ist. Er hat eine deutliche rosa Tönung (ich bilde mir ein, dass man sie sogar auf dem obersten Foto auf dieser Seite sieht) und ist relativ dunkel. Vor allem der Farbstich stört mich, mitunter ist man regelrecht enttäscht, wenn en meit, ein lohnendes Motiv gesehen zu haben und durch den Sucher blickt, und muss sich erst wieder klar machen, dass die Farben nur durch den Sucher so flach wirken. Wenn schon, ist mir ein Blaustich lieber ...

Status März 2016: Wohnt im Schrank. Erbstück. Sehr gelegentliche Nutzung.

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Last modified March 21, 2016