Voigtländer Vitomatic II

Objektiv Color Skopar 50/2.8.
Verschluss Prontor SLK-V Zentralverschluss, Selbstauslöser, Zeiten 1-1/500 und B.
Belichtungs­messung Gekuppelter Selen-Belichtungsmesser mit Anzeigefenster auf Kameradeckel (Beim Modell IIa im Sucher eingespiegelt).
Fokussierung Gekuppelter Mischbild-Entfernungsmesser.
Sucher Leuchtrahmensucher mit Abbildungsmaßstab 1:1.
Blitz Cold shoe, Synchronbuchse, X- und M-Synchronisierung.
Film­transport Schnelltransporthebel, Rückspulknopf. Bildzählwerk am Kameraboden (zä;hlt beim Rückspulen rückwärts).
Maße ca. 115/80/75 mm mit Objektiv.
Batterie ---

Die Vitomatics waren die grossen Schwestern der Vitos, besser verarbeitet und (meist) mit gekuppeltem Entfernungsmesser. Ausserdem zumeist mit vierlinsigen Color-Skopar-Objektiven gegenüber den dreilinsigen (wieder: meist) der Vitos. Aber ich bin kein Voigtländer-Experte, und es gibt sicher bessere Quellen für derlei Informationen. Sicher ist, dass die Vitomatic II mit Ultron (1:2.0) selten und teuer ist und ich - natürlich - die Version mit Color Skopar habe.

Ich werde mich mal auf den Praxistest beschränken und folglich diesen Artikel ausbauen, wenn ich mehr als einen Film mit dieser Kamera verschossen habe.

Erster Eindruck: Klein, aber höllisch schwer. Ich tippe auf ca. 800 Gramm. Diese Kamera ist mit Sicherheit das optimale Instrument, um lange Belichtungszeiten aus der Hand zu halten, da die ohnehin minimalen Vibrationen des Zentralverschlusses durch das Gewicht weggedämpft werden.

Davon abgesehen hat das Gewicht natürlich auch seine Nachteile ...

Die Verarbeitung macht einen erstklassigen Eindruck, und auch nach knapp 50 Jahern funktioniert an meinem Exemplar noch alles, wie es soll (ja, auch der Selbstauslöser).

Der Sucher ist 1:1. Das heisst, er verkleinert nicht. Man kann beim Blick durch den Sucher beide Augen offen halten und sieht dann den Leuchtrahmen in das ganz normale Gesichtsfeld eingespiegelt. Braucht ein bisschen Gewöhnung, aber es lohnt sich. Leider wird die Freude am Sucher in meinem Fall durch eine irreversible, leichte Trübung - äh - getrübt. Der Sucher bildet einen kompletten Glasblock aus drei Linsen/Prismen und eine der Oberflächen ist teilverspiegelt. Dieser Spiegel ist halt ein wenig erblindet. Ich hatte auch mal eine Vito mit total undurchsichtigem Sucher, möglicherweise ist das ein typisches Leiden bei Voigtländer?

Das Color Skopar wird seinem guten Ruf gerecht. Ich hab's nicht wissenschaftlich getestet, aber der erste Eindruck ist, dass diese Optik durchaus in der Tessar-Liga spielt, die Farben sind eventuell noch eine Spur satter.

Die Kamera hat eine komplette Reihe von Verschlusszeiten von 1 bis 1:500 und das sogenante Lichtwertsystem (EV-System). Das funktioniert so: man stellt anhand der Belichtungsmessernadel (Anzeige auf dem Oberdeck, beim Modell IIa zusätzlich im Sucher) die korrekte Blende ein und hat dann mittels eines Objektivrings die gewünschte Kombination aus Blende und Verschlusszeit einzustellen (also z.B. von 1/4 sek bei Blende 22 bis 1/250 sek bei Blende 2.8). Dieses System ist aus der Mode gekommen und nicht sehr beliebt, aber eigentlich geht's nach einer kurzen Gewöhnungsphase ganz gut.

Der Selenbelichtungsmesser funktioniert bei meinem Exemplar noch sehr gut und exakt. Ich glaube, je weniger Licht drankommt, desto länger alten die Dinger, und meine Kamera ist offensichtlich eine ganze Reihe von Jahren nicht benutzt worden. Es gab auch eine "Belichtungsmesserfensterabdeckung" als Originalzubehör.

Zum vorläufigen Schluss noch ein Tip: Der Verschluss lässt sich nur spannen und auslösen, wenn ein Film in der Kamera ist, weil der Verschluss durch das Zahnrad oberhalb des Filmfensters gespannt wird, das wiederum durch die Filmperforation angetrieben wird. Zum basteln kann man dieses Zahnrad mit ein bisschen Kraftaufwand von hand weiterdrehen, aber man riskiert seine Fingernägel.

NACHTRAG: Ein netter Mensch hat mich darauf hingewiesen, dass der Verschluss der Vitomatic II normalerweise nur Zeiten bis 1/300 aufweist. Die 1/500 kam erst mit der Vitomatic IIa. Insofern scheine ich hier ein Hybridmodell mein eigen zu nennen, oder ein Vorbesitzer hat eine II-Deckel auf eine IIa geschraubt. Andererseits gingen bei der IIa laut Bedienungsanleitung die Markierungen für die langen Zeiten auf dem Zeitenring bis 8 sec (obwohl der Verschluss nur max. 1 Sekunde offen blieb, gedacht war das als "Einstellhilfe" in Verbindung mit den EV-System). Hmmmm.....

Status März 2016: Verkauft.

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Last modified March 21, 2016